Prognosebericht

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Weltwirtschaft kehrt auf Wachstumskurs zurück

Die Erholung der Weltwirtschaft hat 2010 zu einem Zuwachs der Wirtschaftsleistungen von 3,9 % geführt. Für das laufende Jahr erwartet die Weltbank ein weiteres Wachstum von 3,3 %. Dabei werden die Entwicklungs- und Schwellenländer weiterhin überproportional zulegen und dürften einen Zuwachs von rund 6 % erzielen. China bleibt mit einem prognostizierten Zuwachs von 8,7 % im laufenden Jahr unverändert die globale Wachstumslokomotive (Quelle: Weltbank vom 13. Januar 2011).

Aufschwung gewinnt in Deutschland an Breite

Die Bundesregierung erwartet für das laufende Jahr, dass sich der exportgetriebene Aufschwung fortsetzt und im Inland an Breite gewinnt. Die Rückkehr der deutschen Industrie zu einer hohen Auslastung der Produktionskapazitäten mit verbesserter Ertragslage dürfte sich dabei positiv auf die Investitionsneigung der Unternehmen und die Konsumneigung der Bevölkerung auswirken. Deshalb gehen die meisten wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute davon aus, dass die Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland in eine Phase stabilen Wachstums mündet. Die Bundesregierung schätzt den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr auf 2,3 % (Quelle: Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung vom 19. Januar 2011).

Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Automobilindustrie erwartet steigende Produktionszahlen

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg der weltweiten Automobilproduktion ist das strukturelle Wachstum der Nachfrage in den Schwellenländern. Nach einer Analyse der Maschmeyer Rürup AG liegt die Verbreitung von Fahrzeugen dort erst bei einem Zehntel der entwickelten Volkswirtschaften. Demnach kommen in Indien und China auf je 1.000 Einwohner 19 bzw. 59 Fahrzeuge. In Europa liegt diese Quote bei 600 Fahrzeugen je 1.000 Einwohner und in den USA ist es sogar schon ein Verhältnis von 1:1 (Quelle: Handelsblatt vom 20. Dezember 2010).

AUTOMOBILPRODUKTION WELTWEIT 2009 – 2017
in Mio. Stück
AUTOMOBILPRODUKTION WELTWEIT 2009 – 2017

Die USA und Europa, welche als reife Märkte der Automobilindustrie gelten, weisen im Vergleich zu den Schwellenländern daher deutlich geringere Wachstumsraten auf. Dabei bleibt die USA der weltgrößte Markt für Premium-Fahrzeuge. Die deutschen Hersteller planen deshalb eine Steigerung ihres Absatzes in Nordamerika bis 2015 um knapp 50 %. (Quelle: Das Autojahr 2011, Handelsblatt vom 5. Januar 2011).

Insgesamt geht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC davon aus, dass die Anzahl der weltweit produzierten Fahrzeugeinheiten von 71 Mio. in 2010 bis zum Jahr 2017 auf 97 Mio. Einheiten steigen wird.

Dabei wird China in den kommenden Jahren der Treiber für den Anstieg der weltweiten Fahrzeugproduktion sein. Während die Regionen Europa und Nordamerika im Vergleich zum Ausgangsjahr 2007 nur eine geringe Zunahme der produzierten Stückzahlen aufweisen dürften, gehen die Schätzungen für China von einer Verdreifachung der Produktionszahlen bis 2017 aus. In zwei Jahren könnte China auch weltweit bereits die meisten Fahrzeuge produzieren (Quelle: PWC 2011).

Modellvielfalt der Fahrzeuge ungebrochen

Prognosen über steigende Produktionszahlen ziehen verstärkte Investitionen der Automobilhersteller in den Bau neuer Produktionsanlagen und zur Verlagerung von Kapazitäten in die Wachstumsregionen nach sich. Sichtbar wird diese Entwicklung an der Zahl der geplanten Produktionsanläufe neuer Fahrzeugmodelle. Alle internationalen und nationalen Automobilhersteller planen nach einer Untersuchung von CSM, im laufenden Jahr weltweit insgesamt 376 (Vorjahr: 310) neue Modelle auf den Markt zu bringen; diese Anzahl erhöht sich im folgenden Jahr auf 378. (Quelle: CSM Worldwide 2011).

AUTOMOBILPRODUKTION NACH REGIONEN 2007-2017
in Mio. Stück
AUTOMOBILPRODUKTION NACH REGIONEN 2007-2017

Robotermarkt

Industrierobotik

Im laufenden Geschäftsjahr ist nach einer Studie der International Federation of Robotics (IFR) eine weitere Belebung des weltweiten Robotermarktes zu erwarten. Auch hierbei dürfte die internationale Automobilindustrie, die für mehr als ein Drittel des Absatzmarktes verantwortlich ist, der wichtigste Treiber sein. Neben der Modernisierung der bestehenden Automobilfabriken in den Industrieregionen gehen die Investitionen dieser Branche verstärkt in die Wachstumsmärkte der Schwellenländer. Gleichzeitig dürfte die General Industry ihre Nachfrage nach Robotern zur Steigerung der Qualität und Effizienz kontinuierlich steigern. Branchen wie die pharmazeutische und die kosmetische Industrie, die Medizintechnik sowie die Nahrungsmittel- und die Getränkeindustrie besitzen nach Ansicht von Fachleuten unverändert ein hohes Automatisierungspotenzial. Insgesamt erwartet die IFR für den Zeitraum 2011 bis 2013 eine jährliche Wachstumsrate des weltweiten Robotermarktes von 10 %. Der Industrieroboter wird sich dabei weitere neue Anwendungen erschließen (Quelle: World Robotics 2010).

Servicerobotik

Völlig neue Anwendungsgebiete der Robotik entwickeln sich außerhalb des Einsatzes in der industriellen Produktion. Beispielsweise erbringen so genannte Serviceroboter Dienstleistungen in der innerbetrieblichen Logistik oder in der Medizin- und Sicherheitstechnik.

ABSATZ VON INDUSTRIEROBOTERN WELTWEIT 2007 – 2013
ABSATZ VON INDUSTRIEROBOTERN WELTWEIT 2007 – 2013

Im Vergleich zur Industrierobotik ist die Servicerobotik ein kleiner, aber schnell wachsender Markt. Ende 2009 betrug die Anzahl der abgesetzten Serviceroboter rund 77.000. Nach einer Studie der International Federation of Robotics (IFR) dürfte sich diese Anzahl im Zeitraum 2010 bis 2013 um 80.000 auf knapp 160.000 verdoppeln. Damit beträgt die durchschnittliche Wachstumsrate dieses neuen Geschäftsfelds 20 % im Jahr; doppelt so schnell wie der Weltmarkt für Industrieroboter (Quelle: IFR World Robotics 2010).

Unternehmens spezifische Rahmenbedingungen

Positive Rahmenbedingungen bieten neue Chancen

Unterstützt von dem weltweiten Konjunkturaufschwung, sieht KUKA in der internationalen Automobilindustrie und insbesondere in der Robotik allgemein zahlreiche Chancen zum Ausbau laufender Geschäfte und zum Aufbau neuer Aktivitäten. Ein Schwerpunkt dabei ist die regionale Expansion des Unternehmens in den stark wachsenden Schwellenländern u. a. durch neue Fertigungskapazitäten vor Ort. Ein weiterer Schwerpunkt sind die neuen Einsatzmöglichkeiten der Robotik außerhalb der angestammten Märkte in der Automation industrieller Fertigungsprozesse.

Regionale Expansion

KUKA hat die Marktschwäche der vergangenen Jahre genutzt, um das Unternehmen auf die Wachstumsmärkte in den Schwellenländern Asiens und Südamerikas auszurichten. Dabei erfolgt der Ausbau des Geschäftes und der Aufbau von Kapazitäten schwerpunktmäßig in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. KUKA unterhält mit allen großen Automobilherstellern Europas und Nordamerikas langjährige Geschäftsbeziehungen und ist deshalb als international aufgestellter Maschinen- und Anlagenbauer in den wichtigsten Wachstumsmärkten wie Russland, China, Indien und Brasilien mit eigenen Landesgesellschaftenpräsent.

Ausbau der Fertigungskapazitäten in China

Um die wachsende Nachfrage nach Industrierobotern in wichtigen Schwellenländern vor Ort zu befriedigen, plant KUKA einen Ausbau seiner Fertigungskapazitäten in China. In den kommenden Jahren sollen die Produktionskapazitäten von derzeit 1.000 Robotern im Jahr auf 5.000 ausgeweitet werden. Die kurzen Lieferzeiten und die Nutzung kostengünstiger Zulieferungen sind hierbei entscheidend.

Ein strategisches Ziel des Unternehmens ist es in den kommenden Jahren, verstärkt lokale Kunden in den Schwellenländern zu gewinnen. Häufig gelingt der Markteintritt in diese neue Kundengruppe mit Automobilprojekten, die für den Export in die Industriestaaten mit ihren hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen vorgesehen sind. KUKA hat in diesem Zusammenhang bereits eine Reihe von Projekten mit chinesischen und indischen Automobilherstellern erfolgreich abgewickelt. Aufgrund ihrer fortschrittlichen Technologie und hohen Produktivität können diese Projekte als lokale Referenzen zur weiteren Expansion des Geschäftes auch außerhalb der Automobilindustrie (General Industry) herangezogen werden. Zielbranchen sind hier vor allem die Metallbearbeitung und der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Kunststoff- und die Nahrungsmittelindustrie.

Vom Wachstum der Servicerobotik profitieren

Zur Ausschöpfung des Wachstumspotenzials in der Servicerobotik hat KUKA den Bereich Advanced Robotics gegründet. Seit Januar 2011 arbeitet dieser Bereich innerhalb der Robotics als eigenständige Gesellschaft KUKA Laboratories. Hier wurden entsprechende Forschungs- und Entwicklungskapazitäten gebündelt, um u. a. Märkte im nichtindustriellen Bereich zu erschließen; z. B. in der Medizintechnik. Zusätzlich soll der Leichtbauroboter (LBR) von der industriellen Erprobungsphase zur Marktreife gebracht werden. Als sensitiver, sicherer Roboter eröffnet der LBR völlig neue Anwendungen in der Zusammenarbeit mit dem Menschen.

Interessante Einsatzmöglichkeiten bestehen beispielsweise in der industriellen Montage, in den Werkstätten kleiner und mittlerer Betriebe als des Werkers dritte Hand oder auch in der Medizintechnik zur Einführung neuer Behandlungsmethoden.

Voraussichtliche Geschäftsentwicklung

Gesamtaussage

KUKA hat im Berichtsjahr 2010 die Voraussetzungen für profitables Wachstum geschaffen. Im Rahmen der weiteren Erholung der Weltwirtschaft, die nunmehr auf einen stabilen Wachstumskurs einschwenken dürfte, erwarten wir im Planungszeitraum 2011 und 2012 auf Konzernebene weiter deutlich zunehmende Umsatzerlöse und nach dem erfolgreichen Abschluss des Kostensenkungsprograms überproportional steigende operative Ergebnisse (EBIT). Damit sollten auch erstmalig wieder positive Jahresüberschüsse ausgewiesen werden können.

Im Einzelnen gehen wir von folgenden Marktentwicklungen aus: Nach dem schnellen Anspringen der Nachfrage bei Industrierobotern aus der Automobilindustrie erwarten wir nunmehr eine zunehmende Vergabe größerer Aufträge zum Bau von neuen Produktionsanlagen. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage der großen westlichen Automobilhersteller nach Neuinvestitionen in die Wachstumsmärkte der BRIC-Staaten in Ersatzinvestitionen in den entwickelten Industrieregionen Europas und Nordamerikas zurückschwenken und sich dabei insgesamt normalisieren.

Außerdem wird die margenstärkere General Industry ihr strukturelles Wachstum fortsetzen und ihre Bemühungen zur Rationalisierung ihrer Produktionsprozesse über den verstärkten Einsatz robotergestützter Automationslösungen intensivieren.

Dies führt zu Änderungen der Umsatzstruktur vor allem im Geschäftsbereich Robotics und damit zur Verbesserung der Profitabilität im KUKA Konzern insgesamt. Hierzu dürfte auch ein nachfragebedingter Anstieg der Preise bei den abgewickelten Aufträgen im Geschäftsbereich Systems beitragen.

Umsatzentwicklung

Der KUKA Konzern erwartet in den nächsten zwei Jahren eine jährliche Wachstumsrate der Umsatzerlöse, die der prognostizierten Steigerungsrate der Branchenverbände entspricht und in einem hohen einstelligen Prozentbereich liegt. Dadurch dürften 2011 Umsatzerlöse von mindestens 1,15 Mrd. € und in 2012 von mindestens 1,25 Mrd. € erreicht werden. Im Geschäftsbereich Robotics werden dabei tendenziell höhere Wachstumschancen gesehen als im Geschäftsbereich Systems.

Kostenentwicklung

Die Straffung der betrieblichen Prozesse im Zuge des durchgeführten Kostensenkungsprogramms hat zu einer deutlichen Verringerung der Overheadkosten und zu einer Absenkung der operativen Gewinnschwelle geführt. Bei weiter steigenden Geschäftsvolumina wird die Personalkostenquote im KUKA Konzern deshalb tendenziell sinken. Die erfolgreich abgeschlossenen Kostensenkungsmaßnahmen sollten sich insbesondere in verbesserten Bruttomargen niederschlagen.

Operatives Ergebnis (EBIT-Marge)

Eine höhere Auslastung der betrieblichen Kapazitäten, eine verbesserte Umsatzstruktur mit einem höheren Anteil der General Industry und eine Reduktion der operativen Gewinnschwelle sollten zu einer EBIT-Marge von mindestens 5 % in 2011 und 6 % in 2012 führen.

Jahresüberschuss

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010 musste noch ein negatives Jahresergebnis ausgewiesen werden. Angesichts deutlich steigender operativer Ergebnisse, aber auch höherer Steueraufwendungen und rückläufiger Finanzierungskosten erwarten wir in 2011 einen zweistellig positiven Jahresüberschuss und in 2012 eine weitere Verbesserung.

Forschung und Entwicklung, Investitionen

Zur Sicherung der Innovationskraft und zur Weiterentwicklung zum Technologieunternehmen werden die Aufwendungen des KUKA Konzerns für Forschung und Entwicklung in den kommenden Jahren wieder erhöht. Insbesondere der Geschäftsbereich Robotics wird neue Aktivitäten bei der Entwicklung von Software und Applikationen initiieren, die zu einer Steigerung der F&E-Quote, d.h. der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung im Verhältnis zu den Umsatzerlösen, auf rund 8 % führen. Auf Konzernebene dürfte der F&E-Aufwand damit jährlich bei 35 bis 40 Mio. € bzw. einer F&E-Quote von 3 bis 3,5 % liegen.

Die Investitionen des Konzerns in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte werden in den kommenden zwei Jahren bei 2 bis 3 % vom Umsatz liegen.

Free Cashflow

Der Free Cashflow generiert sich im KUKA Konzern im Wesentlichen aus den operativen Ergebnissen und der Entwicklung des Working Capitals. Steigende Erträge aus dem operativen Geschäft und ein stringentes Working Capital Management sollten sicherstellen, dass bei der erwarteten Umsatzsteigerung positive freie Cashflows erwirtschaftet werden.

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