Geschäft und Rahmenbedingungen

Konzernstruktur und Geschäftstätigkeit

Die KUKA AG ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft und gehört dem Auswahlindex SDAX an.

Als international tätiger Maschinen- und Anlagenbauer konzentriert sich KUKA auf die robotergestützte Automation von Produktionsprozessen. Das Geschäftsmodell basiert auf der Planung und dem Bau automatisierter Anlagen im Geschäftsbereich Systems,sowie im Geschäftsbereich Robotics auf der Lieferung einer der Kernkomponenten für die Automatisierung, dem Industrieroboter. Dem Kunden können so bei Bedarf Produkte, Dienstleistungen und Lösungen aus einer Hand angeboten werden, sodass Cross-Selling-Potenziale zwischen beiden Geschäftsbereichen entstehen.

Der Geschäftsbereich Robotics entwickelt, produziert und vertreibt Industrieroboter unter der Führungsgesellschaft KUKA Roboter GmbH. Der Geschäftsbereich Systems plant und baut vorwiegend automatisierte Produktionsanlagen unter der Führungsgesellschaft KUKA Systems GmbH. Die zwei Führungsgesellschaften und die Holdinggesellschaft KUKA AG haben ihren Sitz in Augsburg. Landesgesellschaften in den für das Geschäft wichtigsten Ländern der Welt unterstützen die Geschäftsbereiche im Vertrieb ihrer Produkte sowie Dienstleistungen und führen Montage- und Serviceleistungen vor Ort durch. Damit ist die globale Präsenz des Konzerns sichergestellt.

Geschäftsbereich Robotics

Der Geschäftsbereich Robotics liefert eine der Kernkomponenten für die Automation von Produktionsprozessen: den Industrieroboter. Das Produktprogramm des Geschäftsbereiches ist modular aufgebaut. Dadurch können dem Kunden maßgeschneiderte Lösungen auf der Basis eines Standardbaukastens mit Traglasten von 5 bis 1.300 kg angeboten werden. Die Entwicklung und der Bau von Industrierobotern erfolgt überwiegend in Augsburg. Die arbeitsintensive Montage von Schaltschränken findet in zwei ungarischen Werken statt; eine weitere Produktionsstätte zur Bedienung insbesondere des asiatischen Marktes befindet sich in Shanghai / China. Der Geschäftsbereich hat im Sommer 2010 eine neue Generation von Industrierobotern (QUANTEC) mit einer grundlegenden Verbesserung der Mechanik und der Steuerung vorgestellt, die im Laufe des Geschäftsjahres 2011 in den Markt eingeführt werden soll. QUANTEC zeichnet sich u. a. durch ein deutlich geringeres Eigengewicht mit entsprechend schnelleren Taktzeiten bei unveränderter Reichweite und Traglast der Roboter aus. Die neue Steuerungsgeneration KRC4 bietet neben der Weiterentwicklung von Bewegungen und Abläufen der Roboter insbesondere eine in die Software integrierte Sicherheitstechnologie. Dies bedeutet einen spürbar erhöhten Kundennutzen.

Advanced Robotics

Zur Weiterentwicklung des Leichtbauroboters (LBR) und zum Ausbau neuer Anwendungen und Märkte hat KUKA im Frühjahr 2010 innerhalb des Geschäftsbereichs Robotics den Bereich Advanced Robotics gebildet. Seit Januar 2011 arbeitet dieser Bereich als eigenständige Gesellschaft KUKA Laboratories. Kernprojekte sind neben Forschung und Entwicklung für beide Geschäftsbereiche die Entwicklung des Leichtbauroboters (LBR) bis zur Marktreife und die Produktentwicklung für industrielle und nichtindustrielle Kundensegmente. Der LBR kann wegen seiner einzigartigen Kombination von Sensorik und Sicherheit in Anwendungen eingesetzt werden, bei denen bislang roboterbasierte Lösungen beispielsweise aus Sicherheitsgründen nicht einsetzbar sind. Ein weiterer Fokus der Advanced Robotics stellt der erweiterte Einsatz von Leichtbau- und Industrierobotern in der Medizintechnik dar.

Geschäftsbereich Systems

Der Geschäftsbereich Systems plant, projektiert und errichtet automatisierte Produktionsanlagen. Das Angebot deckt die gesamte Wertschöpfungskette einer Anlage ab: von einzelnen Systemkomponenten, Werkzeugen und Vorrichtungen über automatisierte Produktionszellen bis hin zu kompletten Anlagen, die als Systemintegrator „schlüsselfertig“ erstellt werden. Das Know-how des Geschäftsbereichs liegt in der Automation einzelner Produktionsverfahren wie Schweißen und Löten, in der Bearbeitung unterschiedlicher Werkstoffe (metallisch oder nichtmetallisch) sowie in der Integration verschiedener Produktionsschritte zu einer vollautomatischen Anlage (Anlagengeschäft).

An die Automobilindustrie liefert der Geschäftsbereich vor allem Anlagen zum Bau von Karosserien und zur Montage von Motoren und Getrieben sowie Werkzeuge zur Bearbeitung von Blechen. KUKA Systems betreibt außerdem auf dem Gelände des Automobilherstellers Chrysler in Toledo / USA eine Fertigung von Karosserien für den Jeep Wrangler (KTPO).

Der Geschäftsbereich Systems ist global tätig und arbeitet mit regionalen Kompetenzzentren. Die Märkte in Deutschland und Europa werden von Augsburg aus betreut, Nord- / Südamerika vom Großraum Detroit / USA und Asien von Shanghai / China aus. Weitere Geschäftsfelder sind der Presswerkzeugbau sowie automatisierte Montagelinien und Prüfstände für Motoren und Getriebe, die ihre Standorte in Schwarzenberg / Erzgebirge und in der Slowakei bzw. in Bremen und im Großraum Detroit / USA besitzen.

Märkte und Wettbewerbspositionen

Die Automobilindustrie ist die wichtigste Kundengruppe mit einem Anteil am Konzernumsatz von nahezu zwei Dritteln. Für diese Kundengruppe entwickelt und realisiert KUKA seit mehr als 30 Jahren fortschrittliche Automatisierungslösungen. Die hohen Anforderungen der Automobilindustrie an Produktivität, Qualität und Zuverlässigkeit haben KUKA in dieser Zeit zu einer anerkannten Marke für innovative Technologien in der Automation von Produktionsprozessen gemacht. So ist KUKA Robotics marktführend bei Industrierobotern in Europa und gehört zu den drei führenden Anbietern weltweit. KUKA Systems ist im europäischen und nordamerikanischen Karosseriebau für die Automobilindustrie jeweils die Nr. 2. Beide Geschäftsbereiche sehen sich darüber hinaus als Technologieführer in ihren jeweiligen Märkten.

KUKA nutzt seine führende Marktstellung in der Automobilindustrie gezielt, um das Geschäft in Branchen außerhalb der Automobilindustrie (General Industry) kontinuierlich auszubauen. Dabei ist KUKA Robotics am weitesten fortgeschritten: In Märkten wie der Metallverarbeitung und dem Maschinenbau, der Kunststoff- und Nahrungsmittelindustrie oder der Medizintechnik gehört der Geschäftsbereich zu den wichtigen Global Playern in der General Industry weltweit. Vertrieb und Service von Robotern für die General Industry erfolgen vornehmlich über branchenspezifische Systempartner. Auch KUKA Systems expandiert in verwandte Branchen u. a. des übrigen Fahrzeugbaus oder der Solarindustrie und setzt derzeit fast 20 % seines Umsatzes in diesen Bereichen um.

Konzernstrategie

Auf der Basis identifizierter Stärken wie der führenden Marktpositionen der Geschäftsbereiche sowie der hohe Innovationskraft und Kundennähe des Unternehmens verfolgt KUKA eine Strategie des profitablen Wachstums. Dazu wurden drei strategische Stoßrichtungen definiert:

  1. Ausbau der Innovations- und Technologieführerschaft
    Die Marke KUKA steht seit über 30 Jahren für zahlreiche Innovationen im automobilen Anlagenbau und der Robotertechnologie. In der Entwicklung innovativer Produktionstechnologien hat die Automobilindustrie allgemein eine Pionierfunktion. Um das hohe Innovationsniveau zu sichern und auszubauen, beschäftigt der Geschäftsbereich Robotics dabei rund 10 % seiner Mitarbeiter am zentralen Standort in Augsburg in der Forschung & Entwicklung und investiert jährlich durchschnittlich 6 bis 8 % seines Umsatzes in diesen Bereich. Die F&E-Aktivitäten des Geschäftsbereichs Systems erfolgen in der Regel im Kundenauftrag. Der Bereich Advanced Robotics nimmt für beide Geschäftsbereiche bei der technologischen Entwicklung neuer Anwendungen und Märkte eine Querschnittsfunktion im Unternehmen wahr.
  2. Diversifizierung der Geschäftstätigkeit in neue Märkte und Regionen
    Ausgehend von einem stabilen Automobilgeschäft, expandiert KUKA gezielt in Märkte außerhalb der Automobilindustrie (General Industry). KUKA Systems überträgt dabei sein Automatisierungs-Know-how z. B. auf verwandte Märkte des Luftfahrt- und Schienenfahrzeugbaus oder die Solarindustrie,während KUKA Robotics in Zusammenarbeit mit seinen branchenspezifischen Systempartnern neue Anwendungen für Industrieroboter in Zielmärkten wie der Metallverarbeitung, dem Maschinenbau, der Kunststoff- und Nahrungsmittelindustrie oder der Medizintechnik entwickelt. General Industry- Märkte zeichnen sich durch ein im Vergleich zur Automobilindustrie höheres Wachstums- und Ertragspotenzial aus. Parallel hierzu hat KUKA Vertriebs- und Servicekapazitäten in den wachstumsstarken Schwellenländern Asiens und Südamerikas aufgebaut, um von der zunehmenden Industrialisierung u. a. der BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China zu profitieren. Häufig erfolgt dort der Markteintritt über Automobilprojekte mit ihren hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen, um die Kundenansprache anschließend auf die Märkte der General Industry auszuweiten.
  3. Optimierung der Kostenstruktur und kontinuierliche Effizienzverbesserung
    KUKA hat im Rahmen des Kostensenkungsprogramms sämtliche internen Prozesse überprüft und insbesondere das Lieferantenmanagement und die Beschaffung aus Niedrigkostenländern neu strukturiert. Dadurch konnte die Gewinnschwelle des Unternehmens deutlich gesenkt werden.

    Die EBIT-Zielmargen betragen im Geschäftsbereich Robotics 10 % und im Geschäftsbereich Systems 5 %. Im Bereich Advanced Robotics wird mittel- bis langfristig eine EBIT-Zielmarge von mehr als 10 % angestrebt.

Konzerninternes Steuerungssystem

Mit dem konzerninternen Steuerungssystem werden die Erfolgskennzahlen des Unternehmens transparent gemacht und so systematisch gestärkt. Die finanziellen Zielgrößen der KUKA AG messen Leistungen, die den Unternehmenswert beeinflussen.

Um die Umsatzrentabilität festzustellen, wird das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) zu den Umsatzerlösen ins Verhältnis gesetzt; daraus ergibt sich die EBIT-Marge. Der Free Cashflow – also der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit abzüglich der Investitionstätigkeit – zeigt, ob die Investitionen aus dem Cashflow bestritten werden und wie viele Mittel ggf. für die Zahlung einer Dividende und für den Schuldendienst zur Verfügung stehen. Um die Rentabilität des eingesetzten Kapitals (Capital Employed) zu ermitteln, wird das EBIT ins Verhältnis zum durchschnittlichen Capital Employed gesetzt; dies ergibt den ROCE (Return on Capital Employed). EBIT und ROCE werden für den KUKA Konzern und die Geschäftsbereiche Robotics und Systems ermittelt.

Ein wichtiger Frühindikator für die Geschäftsentwicklung im Maschinen- und Anlagenbau ist der Auftragseingang. Nach Abzug der Umsatzerlöse ergibt sich hieraus der Auftragsbestand als Stichtagswert am Ende einer Berichtsperiode. Der Auftragsbestand ist ein wichtiger Indikator für die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten in den kommenden Monaten. Auftragseingang und Auftragsbestand werden für den KUKA Konzern und die Geschäftsbereiche Robotics und Systems ermittelt.

Alle Kennziffern werden vom zentralen Rechnungswesen und Controlling des KUKA Konzerns laufend verfolgt und überprüft. Das Management analysiert Planabweichungen und vereinbart ggf. Maßnahmen zur Erreichung der geplanten Zielgrößen.

Zielerreichung 2010

Auf der Bilanzpressekonferenz am 16. März 2010 gab der Vorstand der KUKA AG folgenden Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr: Das Geschäftsjahr 2010 stellt ein Jahr der Transformation für KUKA dar. Mit der Bereinigung der Kostenstrukturen und der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens wird die Basis für nachhaltiges profitables Wachstum geschaffen. Im laufenden Geschäftsjahr sollten sowohl der Geschäftsbereich Robotics als auch der Geschäftsbereich Systems ein Umsatzwachstum erzielen. Insgesamt wird ein Zuwachs der Umsatzerlöse auf Konzernebene gegenüber dem Vorjahr im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Daraus ergibt sich 2010 im KUKA Konzern vor Sonderaufwendungen voraussichtlich ein positives operatives EBIT.

Aufgrund der schnellen Erholung des Geschäftes konnte der Ausblick bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am 3. August 2010 angehoben werden. Unter der Voraussetzung weiterhin stabiler Rahmenbedingungen sollte KUKA die Umsatzschwelle von 1 Mrd. € im laufenden Geschäftsjahr übertreffen. Das EBIT des KUKA Konzerns wird danach zwischen 20 und 30 Mio. € erwartet.Hiervon sind noch Restrukturierungsaufwendungen in Höhe bis zu 10 Mio. € in Abzug zu bringen.

Da sich die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die weltweite Nachfrage insbesondere der Automobilindustrie im Verlauf des Jahres 2010 kontinuierlich verbesserten, übertraf der tatsächliche Anstieg der Umsatzerlöse im KUKA Konzern mit 19,6 % auf 1.078,6 Mio. € das Ziel. Dadurch lag auch das erwirtschaftete operative Ergebnis (EBIT) des Konzerns mit 24,8 Mio. € einschließlich Sonderaufwendungen über der gegebenen Bandbreite.

  Soll Ist
Zuwachs Umsatzerlöse (in %) ca. 5 % 19,6 %
EBIT (in Mio. €)    
inkl. Sonderaufwendungen 10 - 20 24,8

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